Die Linienführung und das Erleben

 

Die Linienführung der „rhythmischen Touren“ wie sie im Sarcatal nach den Ideen von Heinz Grill gestaltet sind, wurde so gewählt, dass sie sich die leichteste Möglichkeit bei bester Felsqualität und dabei erlebnisreiche Abschnitte sucht. Diese „logische“ Linie im Schwierigkeitsgrad III – VI, was den unterem Schwierigkeitsbereich entspricht, weist oft Quergänge und Traversierungen auf. Diese Bewegtheit der Führen, mit ihren ausgesetzten und geschützten Passagen macht sie abwechslungsreich und äußerst interessant. Sie wirken anregend auf die Empfindungen und Gefühle, sodass diese eine Bereicherung erfahren.

 

Die Felsqualität ist für eine Klettertour entscheidend. Es ist für den Kletterer eine Freude sich an schönem, festen Felsen festzuhalten. Es führt zu einer Verbindung mit ihm und auch zu einer Sicherheit in den Bewegungen. Rhythmus entsteht. Im Gegensatz dazu führen brüchige oder von Flechten und Gras bewachsen oder von Erde verschmutzter Fels zu Verunsicherungen. Es ist wie eine „Zwischenschicht“ die keine Nähe zum Fels entstehen lässt.

 

Auf der Suche nach der natürlichsten, vom Berg vorgegebenen Linie wurden Risse, Verschneidungen, Kamine und Schuppen ausgenutzt. Das Erklettern dieser Felsformationen hat etwas sehr Erlebens- und abwechslungsreiches.

Dies ist einmal spreizend in der Verschneidung, im Riss mit den Fingern, Hand, Faust oder Schulter verklemmt oder im Kamin sich hinaufstemmend. Dann folgen Wandpassagen, die ein präzises Steigen und Greifen erfordern. Reibungsplatten, die in tänzerischen Bewegungen begangen werden, wechseln mit Schuppen über die man sich in Piaz-Technik hinaufhagelt. Das Erklettern dieser unterschiedlichsten Felsstrukturen ist ein Reiz und eine Anforderung für den Kletterer, denen er mit seiner Geschicklichkeit begegnet.

 

Wie jeder Kletterer oft unbewusst weiß, sind in diesen unterschiedlichen Stellen nicht nur unterschiedliche Klettertechniken notwendig, sondern auch unterschiedliche Eindrücke und Empfindungen damit verbunden. Im Kamin ist der Kletterer vom Fels umgeben und muss sich erst in diesem „neuen Raum“ orientieren. Im Körperriss ist der ganzen Körper vom Fels umschlossen. So hat er den größten Kontakt zum Fels, was einerseits Sicherheit spenden kann, aber auch beengende Gefühle erzeugt. Die Bewegungsfreiheit und Umsicht sind beeinträchtigt. So ist man im Kamin hin- und her gerissen zwischen einem zu tief hinein gehen, was dem Bedürfnis nach Sicherheit nahe kommt, und einem gewagten, luftigen hinausgehen.

Demgegenüber steht vielleicht die Plattenkletterei. Man ist nicht „drinnen“ wie im Kamin, sondern alles herum ist weit und offen. Die Platten erscheinen haltlos. Man muss auf die Reibung seiner Sohlen vertrauen und sich vorsichtig, „schleichend“ vorwärts bewegen. Kraft in den Armen benötigt man wenig, was Frauen entgegenkommt.

Die Kletterei über Schuppen in Piaz – Technik, erfordert im Gegensatz zur Plattenkletterei ein relativ hohes Maß an Kraft. Die Arme halten die Kante des Risses und die Beine werden auf Gegendruck gegeben. So hängt man kraftvoll, luftig, gewagt außen an einer Schuppe, versucht aber, so schnell wie möglich die Schulter hinter der Schuppe zu verklemmen, um die Arme zu entlasten. Diese herausfordernde Technik ist vorwiegend bei Männern sehr beliebt.

Steile Wandpassagen haben etwas sehr konfrontatives. In ihrer geschlossenen Steilheit ist man mehr wie auf sich selbst zurückgeworfen. Sie wollen mit den gegebenen Griffen und Tritten überwunden werden. Ohne Möglichkeit sich mit der Schulter oder den Fingern noch etwas zu verklemmen.

Dieses unterschiedliche Spiel der Bewegung ist eine besondere Freude für den Kletterer. Es fördert aber auch, durch ihr abwechslungsreiches Erleben den Rhythmus.

Kamin, der Körper ist  vom Fels umgeben

Platte, freies, weites

Bewegungsspiel möglich

Piaz Technik, erforder einen athletischen Einsatz