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Das Runde, in einem Kreis gedachte Erleben einer Klettertour
Damit sind die einzelnen Abschnitte einer Tour, wie der Zustieg, die Kletterei, der Ausstieg oder Gipfel und der Abstieg über einen anderen Weg als es der Aufstieg bot, mit der Rückkehr zum Ausgangspunkt gemeint. Werden diese einzelnen Abschnitte zusammengefügt entsteht eine kreisförmige Bewegung. |
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Im Gegensatz hierzu würde die lineare Bewegung, das lineare Erleben stehen. Damit ist gemeint der Zustieg, die Kletterei bis zum höchsten Punkt. Es folgt das Abseilen über die Klettertour zum Einstieg. Der weitere Abstieg leitet über den Zustiegsweg zum Parkplatz. Folgt man dieser Bewegung die man ausgeführt hat nach, so ergibt sich eine lineare Auf- und Ab- Bewegung. Diese Bewegung ist beim Sportklettern üblich, hat sich aber auch auf alpine Wände übertragen. |
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Der Unterschied in der Erlebnsqualität dieser Bewegungen und ihre Wirkung auf den Menschen ist enorm, doch meist unbewusst. Um den Unterschied zu verdeutlichen hat Heinz Grill eine Übung gegeben. Hierzu werden die Arme verwendet, welche die Bewegungen nachzeichnen.
Übung: Die Übung kann im Sitzen oder Stehen ausgeführt werden. Richten Sie die Wirbelsäule sanft auf, damit eine bessere Aufmerksamkeit erfolgen kann.
Die Beschreibung der Linie: Halten Sie die rechte Hand mit der Handfläche nach unten auf der Höhe des Nabels. Führen Sie die Hand in einer geraden, langsam aufsteigenden Linie über den Kopf und wieder zurück. Führen Sie diese Auf– und Ab- Bewegung öfters hintereinander aus mit der Überlegung, was für eine Empfindung dabei entsteht. Die Linie, hier von einem tieferen auf ein höheres Niveau, beschreibt eine Strecke. Sie ist mit dem Beginn (beim Parkplatz) und dem Endpunkt (Ausstieg , Gipfel, Umlenkhaken) begrenzt. Die Strecke beschreibt auch eine Polarität, wie tief und hoch. So wird auch ein Empfinden von einer begrenzten Bewegung entstehen.
Die Beschreibung des Kreises: Die linke Hand befindet sich auf der Höhe des Nabels. Zeichnen Sie die Form eines Halbkreises nach links dessen höchster Punkt über dem Kopf ist nach (Ausstieg, Gipfel). Hier berühren sich der linke und der rechte Zeigefinger. Die rechte Hand vervollständigt den Kreis indem sie halbkreisförmig wieder oberhalb des Nabels (Parkplatz) zurückgeführt wird. Führen sie auch diese Bewegung öfters aus. Man kann sich dabei an die einzelnen Abschnitte einer Tour zurückerinnern. Wenn sich der Kletterer oder Bergsteiger diese Bewegung des Kreises vergegenwärtigt, kann ein Fühlen entstehen, das ich mit „wie eingebunden sein in ein Ganzes“ bezeichnen möchte. Der Kreis beschreibt eine Linie ohne Anfang und Ende. Er ist auch ein Symbol für das Unendliche, das Geschlossene für das Unvergängliche.
So wie sich bei dieser Übung unterschiedliche Eindrücke ergeben, so kehrt der Kletterer, je nachdem welche Gesamtbewegung er ausgeführt hat, mit unterschiedlichen Eindrücken zurück.
Wie kann man diese einzelnen Abschnitte des Kreises erleben? Beim Aufbruch herrscht eine Stimmung der Vorfreude bis spannenden Erwartung. Aber auch Ungewissheit, was die bevorstehende Tour verspricht kann durchklingen. Das Gehen am Zustiegsweg lässt endlich zur Tat schreiten und dem Ziel näherkommen. Am Einstieg angelangt folgt die Kletterei. Sie bildet den Hauptteil. Es ist jener Teil, für den man die Tour überhaupt geplant hat. Hier angekommen verlässt man den sicheren Boden der Horizontalen und begibt sich in die aufregende und spannende Vertikale. Durch die exponierte, schnell auch die Existenz bedrohende Lage ist die ganze Aufmerksamkeit auf die Gegenwart, das Hier und Jetzt gefordert. Es liegen emotionale Höhen, wenn zum Beispiel in einer etwas schwierigeren Stelle ein schöner großer Griff zu erreichen ist und Tiefen, wenn an einer schwierigen Stelle, wo man sich schon an der Sturzgrenze bewegt und kein guter Griff in Aussicht ist, nahe beieinander. Dies so lange, bis der Gipfel oder Endpunkt, und damit wieder die vertraute Horizontale erreicht ist. Der Alltag mit seinen Sorgen blieb in den einzelnen Seillängen weit zurück. Es kann ein Gefühl des Angekommenseins entstehen. Dazu schenkt der weite Blick über das Tal einen Moment der inneren Ruhe und Einkehr.
Nach den gewonnenen Erfahrungen und intensiven Eindrücken und Erlebnissen erfolgt der Abstieg. Meist ist er weniger anstrengend als die anderen beiden Teile einer Tour. Er bildet den Ausklang. Es ist aber auch die Rückkehr zu den Aufgaben und Anforderungen des Alltages. Beim Auto angekommen, kann man sich wohl des Eindrucks nicht verwehren, ein „anderer“ geworden zu sein. Man kann sich mit sich selbst, mit der Natur, aber auch mit dem Nächsten verbunden fühlen. Dieses heutzutage wohl sehr seltene Gefühl des sich verbunden fühlens, der Nähe zu sich selbst und zum Nächsten schenkt dem Menschen eine innere Ruhe, Ausgeglichenheit, Entspannung und Regeneration.
Beim Klettern liegt die Versuchung nahe, den Schwerpunkt eines Unternehmens auf den Genuss oder Schwierigkeitsgrad einer Kletterei zu beschränken. Damit beraubt man sich aber des Gesamterlebens die eine Klettertour ermöglicht. Meist unbewusst sucht der alpinistisch geprägt Kletterer dieses Gesamterleben und die Verbindung zum Berg. Gerade beim Abstieg lernt man einen Berg oder Wandabschnitt von einer ganz anderen Seite kennen. Es kann sich dabei der Eindruck, den man während des Kletterns in der Wand gewonnen hat, ob es zum Beispiel eine freundliche oder abweisende Wand ist, beim Abstieg bestätigen oder relativieren.
Um eine Tour als „rundes Gesamterleben“ erfahren zu können, hängt viel davon ab, wie sich die einzelnen Teilabschnitte zusammenfügen und ineinander übergehen. Ist der Zu- oder Abstieg ein Kampf durch das Dickicht, die Routenführung unklar so wird man wohl mehr wie ein eckiger Kreis erleben. Ein Beispiel für ein rundes, flüssiges erleben ist die Via „Luna argentea“ an der Piramide Lakschmi. Hier leitet die letzte Seillänge über eine leichte Platte direkt in den Abstieg über. Es kann ein runder Übergang vom Ausstieg zum Abstieg erlebt werden. Im Gegensatz hierzu kann die Via „Helena“ an der Parete San Paolo stehen. Hier ist der Ausstieg über einen steilen Pfeiler, der auf einem „Gipfelpunkt“ abrupt endet.
Jede von mir angelegte Führe hat ihre eigenen unterschiedlichen Charakteristiken und damit Erlebensweisen. Über allen steht die Idee eines gedachten Kreises. |
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